Giovanni Pinna (geboren 1939 in Turin) ist Professor für Paleontologie und Museologie. Er hat von 1964 bis 1996 am naturkundlichen Museum in Mailand gearbeitet, dem größten Museum dieser Art in Italien, zuerst als Kurator für Paleontologie, dann von 1981 bis 1996 als Direktor.

Seine wissenschaftliche Tätigkeit hat er vor allem dem Studium von Ammoniten, triassischen Reptilien und Krustenfossilien gewidmet, Themen, über die er mehrfach publizierte. Unter den herausragenden wissenschaftlichen Leistungen lassen sich die Entdeckung der Vereisung des inneren Jura von Osteno am Luganer See hervorheben, eine der wenigen Eiszeiten, in denen sich Weichteile der Fossilien erhalten haben sowie die Entdeckung und Beschreibung einer neuen Klasse von Krustenfossilien, den Thylacocephala, und die Beschreibung einiger neuer Arten von Reptilienfossilien.

Darüber hinaus hat er sich mit dem Problem des Artensterbens beschäftigt und eine alternative Theorie zur Katastrophenhypothese vorgeschlagen; er steht im völligen Gegensatz zur Theorie, dass ein Meteorit das Verschwinden der Dinosaurier und vieler anderer Taxa am Ende des Mesozoikum verursacht habe.

In den 15 Jahren, in denen er Direktor des Naturhistorischen Museums war, hat er die Institution, die 1943 zerstört und mit archaischen Ausstellungskriterien wieder aufgebaut worden war, völlig erneuert: er hat die wissenschaftlichen Abteilungen, die Laboratorien und die Büros neu organisiert, die Zahl der wissenschaftlichen Mitarbeiter erhöht, die Sammlung erweitert, die Bibliothek bereichert, die Neuordnung der historischen Archive vorangetrieben, gab Impulse für wissenschaftliche Arbeiten und didaktische Aktivitäten, hat die Dauerausstellungen geplant und einen großen Teil der 5000 m2 der Ausstellungsfläche erneuert und nicht zuletzt eine hervorragende Beziehung zwischen dem Museum und der Stadt geschaffen. Dank dieser Erneuerungen zu Beginn der 80er Jahre zählte das Museum zu den 7 bedeutendsten Naturkunde Museen Europas zusammen mit denen in Madrid, Wien, Paris, London, Frankfurt und Stockholm.

Von 1980 bis 1996 hat er das Planetarium von Mailand geleitet und die Erneuerung seiner Organisation und Funktion betrieben.

Unter den herausragenden kulturellen Leistungen lässt sich die Wiederherstellung der Wunderkammer des 17. Jahrhunderts des Manfredo Settala herausheben, die der Öffentlichkeit nach vielen Jahrzehnten in der Ausstellung Musaeum Septalianum gezeigt wurde und dessen Material er aus vergessenen Kisten in der Bibliotheca Ambrosiana befreit hatte.

Weitere Informationen über die Aktivitäten von Giovanni Pinna als Direktor des Museums für Naturkunde lassen sich in seinen Arbeitsberichten und in der Festschrift zum 150. Geburtstag der Museumsgründung finden.

Pinna G., 1984 - L'attività del Museo Civico di Storia Naturale di Milano negli anni 1980, 1981, 1982. Museo di Storia Naturale Milano.

Pinna G., 1988 - L'attività del Museo Civico di Storia Naturale di Milano e del Civico Planetario negli anni 1983, 1984, 1985. Natura,79.

Pinna G., 1988 - Museo Civico di Storia naturale di Milano 1938-1988: 150 years of science. Atti della Società Italiana di scienze Naturali e del Museo di Storia Naturale di Milano, 129.

Pinna G., 1989 - L'attività del Museo Civico di Storia Naturale di Milano e del Civico Planetario negli anni 1986, 1987, 1988. Natura, 80,.

Pinna G., 1993 - L'attività del Museo Civico di Storia Naturale di Milano e del Civico Planetario negli anni 1989, 1990, 1991. Natura, 84.

Im Gebiet der Museologie ist das 1980 gemeinsam mit Lanfranco Binni publizierte Buch “Museo. Storia di una macchina culturale dal cinquecento ad oggi” hervorzuheben. Das Buch kann als das erste Handbuch der Museologie in Italien nach dem zweiten Weltkrieg gelten und es ist heute ein Klassiker der italienischen Literatur zur Museologie. Durch dieses Buch sind viele derer geprägt, die heute in den italienischen Museen und in den staatlichen Organen im Bereich des Kulturschutzes arbeiten.

Seine Aktivitäten gelten heute dem Studium der Museumssoziologie, der intellektuellen Organisation und den Mechanismen der kulturellen Produktion dieser Institutionen, dem Verhältnis von Museum und Gesellschaft, Museum und Macht.

Er betätigt sich als Berater im Bereich Museologie, auch im internationalen Kontext. Seine jüngsten Erfahrungen im Bereich der museologischen Museumsplanung betreffen das „Historische Museum Shaanxi“ von Xi'An und das Nationalmuseum von Damaskus. Darüber hinaus ist er wissenschaftlicher Berater des nationalen Wissenschafts- und Technikmuseum in Mailand.

Er ist Direktor einer Museologiereihe, die von RCS unter der Marke ETAS herausgegeben wird.

1999 hat er die halbjährig erscheinende Zeitschrift NUOVA MUSEOLOGIA gegründet, deren Direktor er ist.

Zur Zeit arbeitet er an einem Buch über die politische Kontrolle der Museen.

Giovanni Pinna ist stark in die Aktivität des International Council of Museums (ICOM) eingebunden, eine von den Regierungen unabhängige Organisation, in der er in den zurückliegenden Jahren unterschiedliche Aufgaben inne hatte:

Mitglied des Exekutivausschuss des ICOM Italien von 1976 bis 1981.

Vizepräsident des ICOM Italien von 1981 bis 1984 und 1993 bis 1996.

Präsident des ICOM Italien von 1997 bis 2000.

Wiederwahl als Präsident des ICOM Italien für weitere drei Jahre 2001-2003.

1999 wurde er zum Präsidenten des internationalen Komitees des ICOM „Museen in Historischen Gebäuden“ gewählt, das er gegründet hat. Das Amt begleitete er bis 2002.

2001 wurde er in den Exekutivausschuss des ICOM für die Amtszeit von 2001-2004 gewählt.

Als Präsident des ICOM Italien hat er die italienische Regierung überzeugt den Mitgliedern des ICOM freien Eintritt in Museen, archäologische Parks und staatliche Monumente zu gewähren. In Folge haben auch viele lokale Verwaltungen den Mitgliedern des ICOM freien Eintritt in ihre Museen gewährt.